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Leseprobe aus

    "Egon! Wenn ich dich erwische"

 

 

Kurzgeschichte

   "Sommernachtstraum"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Egon! Wenn ich dich erwische"

   Im letzten Moment kommt Egon bei Kylie in dem großen Stadthaus an. Aufgeregt kommt ihr Kylie schon entgegen. „Wo bleibst du denn? Ich hab schon gedacht, du kommst doch nicht mit.“ Egon grinst sie an. „Wenn das so ist, wünsch ich dir viel Spaß und dreh gleich wieder um.“ Kylie greift sie am Ärmel und zieht sie weiter ins Wohnzimmer. „Nichts da. Du bleibst und ich hab mir auch schon was überlegt, wenn ich die Wette gewinne.“ Grinsend schüttelt Egon den Kopf. „Du wirst nicht gewinnen.“ Aus zusammengekniffenen Augen sieht Kylie sie an. „Die Jungs sind in Ordnung und sie werde dich auch mögen, genauso wie du sie.“

   Jetzt lacht Egon richtig los. „Du kannst mir glauben, ich hasse sie jetzt schon und lass uns erst mal da sein, dann werden sie mich auch hassen. Nun sag schon, was mich erwartet, solltest du gewinnen. Was du allerdings niemals wirst.“

   Kylie richtet sich zu ihrer vollen Größe auf und ist einen halben Kopf größer als Egon. „Also wenn ich gewinne, gehen wir beide ganz groß aus. In einen richtigen Nachtclub. Und du musst dich richtig wie ein Mädchen anziehen und schminken. Und du wirst tanzen und flirten und sollte der passende Typ auftauchen, wirst du ihn auch küssen.“ Bei jedem Wort sind Egons Augen immer größer geworden. „Das wirst du nie erleben!“ Herausfordernd streckt Kylie ihr die Hand entgegen. „Nimmst du an?“ Grinsend schlägt Egon ein. „Du wirst nie gewinnen.“

   In diesem Moment kommt Kylies Mutter rein und sieht die beiden Mädchen an. „Kylie, willst du Egon nicht ein paar von deinen Sachen geben, damit sie wenigstens die vier Wochen anständig rumläuft?“ Mit weit aufgerissenen Augen starrt Kylie ihre Mutter an, sagt aber kein Wort.

   „Keine Angst, Frau von Winterstein, ich hab meine Sachen extra gewaschen und mein Bruder hat mir seine Jeans als Wechselhose mitgegeben.“ Egon kann Kylies Mutter nicht besonders gut leiden. Sie hält sich für was Besseres nur, weil sie die Firma und einen Haufen Geld geerbt hat. Zum Glück ist Kylie, obwohl sie ein Einzelkind ist, nicht so.

   Frau von Winterstein sieht Egon von oben herab an. „Das ist eine berühmte Band, da kannst du nicht als Bauernlümmel hingehen. Du musst dich schon ein bisschen anpassen.“ Egon muss grinsen. „Ach, ich komme schon mit den ihren Macken klar und wenn sie nicht mit mir klarkommen, ist es ihr Problem.“

   Als ihr Hausmädchen reinkommt und mitteilt, dass das Taxi da ist, atmet Kylie erleichtert auf. „Los komm Egon, wir müssen.“ Während Kylie Egon zur Tür drängt, winkt sie kurz noch ihrer Mutter zu. „Wir sehen uns in vier Wochen wieder.“ Kylie kann gar nicht schnell genug ins Taxi kommen. Es ist jedes Mal das Gleiche, wenn Egon und ihre Mutter zusammentreffen. Ihre Mutter muss aber auch immer auf die ärmlichen Verhältnisse, aus denen Egon kommt, anspielen und Egon lässt sich das natürlich nicht gefallen.

     

     

   „Sag mal, wie soll das eigentlich ablaufen?“ Fragend sieht Egon Kylie von der Seite an. Gedankenverloren hat Kylie die ganze Zeit aus dem Fenster geschaut und schrickt jetzt bei Egons Worten gewaltig zusammen. Verwirrt schaut sie Egon an. „Jetzt fahren wir erst mal nach Berlin zur Konzerthalle und dort können wir uns noch den Rest des Konzertes anhören, dann werden wir die Jungs kennen lernen und dann werden wir wohl zum Hotel fahren.“

   „Mich interessiert viel mehr, wie die vier Wochen ablaufen sollen.“

   Kylie zuckt mit den Schultern. „Na das weiß ich auch nicht. Lass dich doch einfach überraschen. Es wird bestimmt fantastisch.“

   Genervt sieht Egon sie an. „Wir werden ihren Dreck wegräumen dürfen und was ist daran schon fantastisch.“

Kylie winkt ab. „Das glaub ich nicht und wenn schon, wir dürfen schließlich kostenlos auf jedes Konzert.“ Egon schüttelt den Kopf und schaut wieder aus dem Fenster. Wie konnte sie sich nur auf den Quatsch einlassen? Wenn sie da schon mitmachen muss, wird sie wenigstens ihren Spaß haben und die Wette wird sie auch gewinnen. Bei diesen Gedanken zieht ein spitzbübisches Grinsen über ihr Gesicht.

 

   Kaum hält das Taxi vor der Konzerthalle kommt auch schon ein Bodyguard und führt sie nach hinten in einen kleinen Aufenthaltsraum. Von dort können sie die Musik hören. Egon lässt sich in einen Sessel fallen, zieht sich einen Stuhl ran und legt ihre Beine darauf. Es war heute für sie ein anstrengender Tag. Egon muss noch einiges vorbereiten, damit ihre Brüder auch ohne sie zurechtkommen. Und dann war Theresa auch noch so traurig, dass Egon ihr Benny Bärchen gegeben hat. Eigentlich wollte sie ihn ja mitnehmen, selbst auf Klassenfahrt hatte sie ihn mitgenommen, doch Theresa hat sie so unglücklich angesehen, dass Egon gar nicht anders konnte. Theresa hat ihr auch versprochen, gut auf ihn aufzupassen.

   Kylie läuft aufgeregt hin und her. Sie kann es kaum erwarten, endlich den fünf Bandmitgliedern gegenüberzustehen.

   Die Musik verstummt und kurz darauf nähern sich Schritte. Als sich die Tür öffnet und die Jungs reinkommen, bleibt Kylie wie angewurzelt stehen und starrt sie an. Egon ist kurz vor dem Einschlafen und öffnet die Augen nur einen Spaltbreit. Sie denkt kein bisschen dran, sie zu begrüßen oder auch nur richtig anzusehen.

   Kylie hat sich schnell wieder von ihrer ersten Aufregung erholt und stürmt gleich auf die Jungs zu. „Hallo! Ich bin Kylie und das ist Egon.“ Sie deutet kurz auf Egon wendet sich aber sofort wieder den Jungs zu und plappert munter drauf los. „Ich bin ganz aufgeregt euch endlich kennen zu lernen und ihr glaubt gar nicht, wie sehr wir uns freuen hier sein zu dürfen. Ich kann es immer noch nicht glauben, dass ich gewonnen habe und vier Wochen mit euch verbringen darf.“

   Egon hat sich immer noch nicht gerührt und beobachtet die Jungs aus den Augenschlitzen heraus. Drei von ihnen sind ziemlich auffällig tätowiert und haben bunte Haare, die in allen Richtungen abstehen, auch ihre Klamotten sind typisch für Punks. Einer scheint schüchtern zu sein. Er ist unauffällig gekleidet und ist gleich neben der Tür stehen geblieben und sieht nur von weitem zu. Der Fünfte passt überhaupt nicht dazu. Er scheint aus einer Modezeitschrift gesprungen zu sein, so geschniegelt und gestriegelt ist er.

   Der Größte der fünf Typen sieht zu Egon rüber und meint dann lachend zu Kylie. „Ich glaub, wir machen es heute ganz kurz. Ich bin Ben, das sind Pat, Dustin, Simon und Philipp. Wir freuen uns das ihr hier seid, auch wenn Egon es langweilig findet und lieber schläft.“ Schnell ist Kylie bei Egon und schüttelt sie an der Schulter. „Egon, reiß dich ein bisschen zusammen. Sie sind hier.“

   „Na und.“ Genervt öffnet Egon langsam die Augen.

   Pat muss grinsen. „Noch einer der es nicht leiden kann geweckt zu werden.“ Sein Blick wandert zu Ben und dann zu Kylie. „Jetzt geht’s erst mal ins Hotel und morgen fahren wir dann nach Hamburg.“ Kaum hat Pat ausgesprochen wird auch schon an der Tür geklopft und der Bodyguard teilt ihnen mit, dass der Tourbus bereitsteht. Galant bietet Philipp Kylie den Arm an und geleitet sie zum Bus und die anderen folgen. Egon sieht ihnen kopfschüttelnd hinterher.

   In der einen Hand schon ihre Tasche will sie gerade nach Kylies greifen, als ihr Simon zuvorkommt. Ohne sie weiter zu beachten, nimmt er Kylies Taschen und geht zum Bus. Egon folgt ihm langsam und bekommt noch am Rande mit, wie Pat Kylie den Bus zeigt. Der Bus ist größer als Egon gedacht hat. Er ist in zwei Räume geteilt. Der vordere Raum dient als Wohnraum mit Eckcouch, zwei Sessel und Fernseher auf der einen und noch mal zwei Sessel auf der anderen Seite. Sogar eine kleine Küche ist eingebaut. Auch geht es von hier aus zur Toilette und gleich daneben ist die Tür zum zweiten Raum, der als Schlafraum dient. Sechs Betten so wie ein Einbauschrank befinden sich dort.

   Auf der Fahrt zum Hotel unterhält sich Kylie angeregt mit Pat. Egon hat sich ihnen gegenüber ans Fenster gesetzt und starrt in die Nacht hinaus. Ben setzt sich neben Egon. Auch die anderen haben sich zu ihnen gesetzt.

Ben sieht Egon an. „Wir sind gleich im Hotel da kannste weiter schlafen, aber morgen musste pünktlich zum Frühstück erscheinen.“

   Egon starrt ihn an. „Wie soll der ganze Quatsch eigentlich ablaufen?“ Ben zuckt mit den Schultern und wirft den anderen einen Blick zu. „So richtig wissen wir das auch noch nicht. Bisher hatten wir noch keine Praktikanten, aber uns wird schon was einfallen.“ Egon sieht Ben von oben bis unten an. „Na, wenn ich dich so anschaue, glaube ich kaum, dass du zu irgendeinem vernünftigen Gedanken fähig bist.“ Ben muss gewaltig schlucken doch Kylie schaltet sich sofort ein. „Das war nicht so gemeint. Egon ist einfach nur müde.“ Egon sieht Kylie herausfordernd an. „Es war genau so gemeint.“ Zum Glück hält der Bus gerade an.

   „Ich glaub wir sind schon da“, meint Pat mit einem Schmunzeln im Gesicht.

   Kylie verlässt an Pats Seite den Bus und Ben hat sich bereit erklärt ihre Taschen zu tragen. Mit ihrer Tasche in der Hand folgt Egon ihnen langsam.

   Sie sind in einem erstklassigen Hotel untergebracht. Jeder hat sein eigenes Zimmer außer Kylie und Egon, sie müssen sich eins teilen.

   Kaum hat sich die Tür hinter Egon geschlossen, lässt sie auch schon die Tasche fallen, zieht ihr T-Shirt aus und lässt es ebenfalls auf den Boden fallen. Auf dem Weg zum Bett zieht sie noch ihre Hip Hopper Hose aus, die auch auf den Boden landet, und lässt sich ins Bett fallen. Kylie sieht zu ihr rüber. So unordentlich ist Egon sonst nie. Schnell streift auch sie ihre Sachen ab und huscht ins Bett.

   Die Jungs haben sich noch in Pats Zimmer getroffen und sprechen noch schnell den Tagesablauf für morgen durch.

   „Wir müssen uns überlegen, welche Aufgaben die beiden erledigen können“, meint Dustin so ganz nebenbei, als er seine Ratte Jacky aus seiner Jackentasche holt. Sofort macht sich Jacky auf den Weg zur Schulter und hält von dort Ausschau nach etwas Fressbaren. Während Philipp ihr ein Stück Keks hinhält, fragt er. „Was haltet ihr eigentlich von den beiden?“

   Schmunzelnd sieht Pat von einem zum anderen. „Also Kylie gefällt mir ganz gut, nur dieser Egon ist so ’n Ding für sich.“ Philipp sieht Pat an. „Hat Kylie nicht geschrieben, dass sie ihre beste Freundin mitbringen will?“

   Ben nickt. „Ja das hat sie, aber vielleicht konnte sie nicht.“

   Gähnend streckt Pat sich. „Ich würde sagen, wir sprechen morgen mit den beiden und entscheiden dann was sie machen können. Ich hau mich jetzt auch hin.“ Auch die anderen suchen ihre Zimmer auf, es war schließlich für alle ein langer Tag.

     

     

   Egon öffnet die Augen und weiß im ersten Moment gar nicht, wo sie ist und was überhaupt los ist. Langsam fällt ihr alles wieder ein und sie schüttelt den Kopf über sich selbst. Wie konnte sie sich nur auf so einen Schwachsinn einlassen?

   Es ist noch sehr früh und so beschließt sie, noch eine Weile durchs Internet zu surfen. Vielleicht trifft sie ja ihren Kumpel „StolperJoe“. Sie kennen sich jetzt schon über ein Jahr, allerdings nur übers Internet und keiner kennt den richtigen Namen des anderen. Mit ihm kann sie über alles reden und er hat auch immer einen guten Tipp parat oder ein paar aufmunternde Worte. Auch er schüttet sein Herz bei ihr aus, nur denkt er, sie ist ein Junge und sie hat noch keinen Grund gesehen ihm mitzuteilen, dass sie ein Mädchen ist. Da er in Amerika wohnt, ist es sehr unwahrscheinlich, dass sie sich einmal begegnen werden, auch wollte er noch nie, dass sie ihm ein Bild schickt. Selbst wenn sie ihm ein Bild von sich schicken würde, würde er nicht drauf kommen, dass sie ein Mädchen ist. Meistens trägt sie Hip Hopper Hosen und ein weites T-Shirt, ihre roten Haare sind kurz und strubblig. Ihre Figur erinnert eher an einen halbwüchsigen Burschen als an ein Mädchen. Sie hat kaum Brust und auch keinen Hintern, dafür aber recht breite Schultern.

   Sie ist schon eine ganze Weile im Internet doch von „StolperJoe“ ist nichts zu sehen. In einer Email schreibt sie ihm, dass sie zurzeit mit einen paar Freunden ihrer Freundin Urlaub macht und daher auch etwas öfters im Internet sein wird. Allerdings erwähnt sie nicht, dass es sich bei den Freunden um eine Band handelt und auch erwähnt sie keine Namen. Vielleicht kennt er sie ja, sie spielen schließlich die Musik, die er gern hört und in Amerika sollen die „Wild Guys“ ja ganz schön berühmt sein. Auch teilt sie ihm mit, dass sie eigentlich gar nicht hier sein möchte, weil es zu Hause einfach zu viel Arbeit gibt, doch von der Wette erwähnt sie lieber nichts.

Nachdem sie ihr Herz bei „StolperJoe“ ausgeschüttet hat, geht sie auf die Website von der Band, um einiges über sie zu erfahren. Doch leider kann Egon sie nicht aufrufen, da sie zurzeit bearbeitet wird. Dafür findet sie einen Fan-Shop und über die übertrieben hohen Preise ist sie entsetzt.

   Ein Rascheln aus Kylies Bett lässt sie aufschauen.

   „Was machst du denn schon so früh?“ kommt es verschlafen von Kylie.

   Egon sieht sie mürrisch an. „Na der Typ hat doch gesagt wir sollen pünktlich zum Frühstück kommen.“ Kylie zieht sich die Decke über den Kopf. „Aber doch nicht mitten in der Nacht.“ Genau in diesen Moment wird an der Tür geklopft. „Hey aufstehen, wir gehen jetzt frühstücken und dann wollen wir los.“

   „Wir kommen ja schon“, murrt Kylie.

   Egon klappt den Laptop zu und schlüpft schnell in ihre Hose, denn vorhin hat sie nur schnell ihr T-Shirt übergezogen. Erstaunt sieht Kylie sie an. „Haben deine Brüder nichts dagegen gehabt, als du euren Laptop mitgenommen hast?“ Grinsend zuckt Egon mit den Schultern. „Keine Ahnung. Als ich ihn eingepackt habe, waren sie in der Schule.“ Egon greift nach ihrem Base Cap und will dann zur Tür raus. Kylie ruft ihr noch zu. „Willst du dir nicht die Haare kämmen?“

   „Wo zu? Du hast die Typen doch gesehen, da will ich nicht aus der Reihe tanzen.“

   Als Egon runter kommt, sitzen schon alle am Tisch und essen. Nach einem gemaulten „morgen“ setzt sich Egon zu ihnen und greift sich gleich ein Brötchen.

   Unauffällig lässt sie ihren Blick von einem zum anderen schweifen.

   Pat hat eine dunkle gemusterte 7/8 Hose und ein schwarzes T-Shirt an. Egon kann deutlich die vielen Tattoos an seinen Unterarmen sehen. Auch die Ketten an seiner Hose sind nicht zu übersehen. Seine Haare sind wie gestern, schwarz mit grünen Punkten, nur stehen sie heute nicht nach allen Richtungen ab.

Ben ist ganz in schwarz gekleidet. Seine 7/8 Hose ist mit unzähligen Aufnähern und Ketten verziert, doch sein Achselshirt ist rein schwarz ohne jedes Muster, wodurch seinen bunten Tattoos an beiden Armen noch hervorgehoben werden. Neugierig versucht Egon zu erkennen, was sich unter dem Achselshirt verbirgt, doch leider kann sie nur ein kleines Stück von dem Tattoo sehen. Es scheint über seine linke Brustseite zu gehen. Auch seine schwarzen Haare mit roten Spitzen sind heute ordentlich gekämmt und nicht zu Stacheln gestylt.

Dustin hingegen hat eine Hip Hopper Hose an und ein einfaches Sweatshirt, dessen Ärmel er etwas hochgeschoben hat. Wodurch seine Tattoos am rechten Arm deutlich zu sehen sind und auch seine braunen Haare, mit einem großen wasserstoffblonden Fleck sind anständig frisiert. Simon ist genau wie gestern unauffällig gekleidet. Einfache Jeans und T-Shirt, auch seine Haare sind nicht gefärbt und anständig gekämmt. Er hat gestern kein Wort zu ihnen gesagt und auch jetzt sitzt er ganz still da.

   Als Egons Blick zu Philipp schweift, hätte sie beinah losgelacht. Er hat doch tatsächlich den kleinen Finger abgespreizt, als er seine Tasse Kaffee vornehm zum Mund geführt hat, um einen Schluck zu trinken. Egon kann es kaum glauben, er trägt wieder so einen schnieken Anzug, Hemd und sogar Krawatte. Natürlich sind seine schwarzen Haare anständig frisiert und seine einzelne rote Haarsträhne ist perfekt ausgerichtet.

Abrupt wird Egon aus ihren Betrachtungen gerissen als Pat sie fragt, wie sie denn geschlafen hat. Ohne ihn anzuschauen, meint sie kauend. „Beschissen.“

   Fragend sind alle Augen auf sie gerichtet, doch Egon sieht keinen von ihnen an und isst genüsslich weiter.

Ihre Aufmerksamkeit wird jedoch gleich auf Kylie gelenkt, die lachend auf den Tisch zukommt und schon von weitem ist ihre Stimme zu hören. „Einen wunderschönen guten Morgen wünsch ich euch. Ich hoffe ihr habt genauso gut geschlafen wie ich.“ Eh einer was sagen kann ist Kylie eine Runde um den Tisch und hat jeden kurz gedrückt, dann lässt sie sich auf ihren Platz nieder und sieht Pat mit einem umwerfenden Lächeln an. „Na wie sieht der Tagesablauf aus?“

   Pat ist ganz durcheinander und muss sich erst mal räuspern. Langsam lässt er seinen Blick über Kylie schweifen. Sie sieht wirklich gut aus. Heute trägt sie ein enges bauchfreies Oberteil in zartem rosa und eine weiße Hüfthose. Ihr blondes gewelltes Haar fällt ihr offen über die Schultern.

   Egon ist der Blick von Pat, und auch der anderen, nicht entgangen und ein Schmunzeln zieht über ihr Gesicht. Das ist wieder mal typisch, wenn Kerle ein bisschen Haut sehen, fangen sie an zu sabbern und ihr bisschen Verstand ist ganz weg. Nur Simon und Dustin scheint es nicht zu interessieren. Simon sieht stur auf sein Brötchen und traut sich gar nicht aufzuschauen. Mann, ist der Typ schüchtern, geht es Egon durch den Kopf. Doch was ist mit Dustin los. Er zupft ständig an seinem Sweatshirt rum und eben war ihr, als ob er ein Stück Brötchen in den Ärmel geschoben hat. Neugierig beobachtet Egon Dustin, irgendetwas stimmt bei dem Typen nicht. Plötzlich springt er auf und meint grinsend: „Ich geh schon mal und hol meine Sachen. Wir treffen uns dann im Bus.“ Auch Ben springt mit auf. „Warte, ich komm mit.“ Auch für die anderen ist es das Zeichen, das sie sich jetzt fertig machen müssen. Pat sieht Kylie lächelnd an. „Wir verstauen jetzt unsere Sachen im Bus und dann fahren wir los. Soll dir jemand beim Tragen helfen?“

   Das ist zu viel für Egon und sie prustet los vor Lachen. „Lass Kylie doch ihren Plunder alleine schleppen, sie wollte das ganze Zeug doch mitnehmen.“

   Kylie funkelt sie wütend an. Egon steht grinsend auf. „Ich werde dann mal meine Sachen holen. Du hast ja wieder mal einen Trottel gefunden, der deine Sachen schleppt.“ Und schon dreht sie sich um und geht.

     

     

   Als Egon mit ihrer Tasche zum Bus kommt, steht Ben schon vor dem Bus.

   „Kannst schon reingehen Knirps, ich warte noch auf die anderen.“

   Egon bleibt vor ihm stehen, lässt ihre Tasche genau auf seinem Fuß fallen und stemmt die Hände in die Seiten. Funken sprühend sieht sie ihn aus ihren blauen Augen an und streckt sich zu ihrer vollen Größe, was gerade mal 1,60 m ist. „Nenn mich nie wieder so, sonst lernste mich kennen.“

   Vollkommen verdattert sieht Ben auf sie runter, sie ist immerhin zwei Köpfe kleiner als er. Langsam zieht ein Grinsen über sein Gesicht. „Oh ja, bei deiner großen imposanten Gestalt bekomme ich jetzt schon Angst.“ Egon holt schon tief Luft doch bevor sie was sagen kann hört sie Kylies Stimme hinter sich: „Egon, was stehst du hier herum? Steig lieber ein.“ Kylie nimmt Egon an den Schultern und schiebt sie zur Tür. Egon will sich noch mal umdrehen. „Meine Tasche.“ Kylie schiebt sie weiter. „Die bringt Pat schon mit rein.“ Schnell wirft Kylie Pat noch ein betörendes Lächeln zu.

   Im Bus sieht Egon Kylie mit einem hinterhältigen Grinsen an. „Du hast mich eben auf eine super Idee gebracht.“ Kylie reißt die Augen auf. „Was hast du vor?“ Frech grinst Egon sie an. „Lass dich überraschen.“ Bevor Kylie noch etwas sagen kann, lässt sich Egon in den Sessel am Fenster fallen und schaut hinaus.

   Langsam kommen auch die anderen und machen es sich gemütlich. Als Letzter kommt Ben und bleibt vor Egon stehen. „Hey, das ist mein Platz. Setzt dich woanders hin.“

   Egon würdigt ihn keines Blickes. „Es war kein Schild dran.“

   Ben versucht ruhig zu bleiben. „Dann sag ich es dir jetzt. Das ist mein Platz, kein anderer setzt sich hier hin.“ Langsam dreht Egon sich zu ihm und sieht ihn herausfordernd an. „Jetzt ist es mein Platz und du musst dir einen anderen suchen.“

   Ben stützt sich mit einer Hand auf die Lehne und sieht Egon eindringlich an. „Da irrst du dich mein Freund und wenn du nicht sofort deinen Arsch hier hochhebst, lernst du mich kennen.“

   Egon grinst ihn frech an. „Um mal was klarzustellen, ich bin nicht dein Freund und ich bleib hier sitzen, auch wenn du dich noch so sehr aufregst, Benny Bärchen.“

   Ben muss erst einmal tief Luft holen, das hat noch keiner zu ihm gesagt. Wutschnaubend fährt er Egon an. „Du Grünschnabel wirst mich jetzt kennen lernen.“ Gerade will er nach Egon greifen da geht Pat dazwischen. „Hey! Ben, das kannste nicht machen.“ Auch Kylie drängt sich schon dazwischen. „Ich muss mich für Egon entschuldigen. War alles nicht so gemeint, hat nur schlecht geschlafen. Du verstehst?!“

   Egon grinst Ben immer noch frech an. „Es war alles genau so gemeint, wie ich es gesagt habe.“ Kylie fährt zu Egon herum und starrt sie aufgebracht an. „Egon, halt jetzt endlich die Klappe!“

   „Nö! Warum sollte ich?“

   Kylie dreht sich zu Ben. „Egon ist heute nicht gut drauf. Einfach in Ruhe lassen und nicht hinhören. Ist am besten so.“ Vorsichtig schiebt sie ihn zur Couch und Pat drückt ihn runter. Pat und Kylie setzten sich zu ihm.

Simon und Dustin haben es sich schon auf der Couch bequem gemacht. Philipp sitzt in seinem Sessel gegenüber von Egon.

   Pat sieht Ben an. „Lass Egon dort sitzen, bis er sich beruhigt hat.“

   Ben sieht Kylie fragend an. „Warum hast du nicht deine beste Freundin mitgebracht? So wie du es auch geschrieben hast.“ Erstaunt sieht Kylie sie an. „Hab ich doch.“

   Alle Augen sind erstaunt auf sie gerichtet. Kylie sieht von einem zum anderen. „Habt ihr etwa gedacht, Egon ist ein Junge? Nee, sie ist doch meine beste Freundin.“ Über die verdatterten Gesichter der Jungs muss Kylie lachen. Ihr war überhaupt nicht in den Sinn gekommen sie könnten Egon für einen Jungen halten, aber im Nachhinein muss sie schon zugeben, dass sich Egon wirklich nicht wie ein Mädchen benimmt.

   Während der ganzen Fahrt sitzt Egon im Sessel und schaut aus dem Fenster.

   Kylie sitzt mit den Jungs zusammen und unterhält sich prächtig.

     

   

   Kaum hält der Bus geht Kylie zu Egon und rüttelt sie sanft an der Schulter, damit sie aufwacht. „He Egon, wir sind in Hamburg. Los komm wir gehen ins Hotel.“ Etwas verwirrt sieht sich Egon um. Sie hat doch tatsächlich die ganze Fahrt verschlafen. Während die anderen schon aussteigen, streckt sich Egon erst noch genüsslich.

   Dustin steht noch an der Tür und richtet seine Sachen. Egon mustert ihn neugierig, irgendwas ist merkwürdig an ihm. Langsam geht Egon auf ihn zu und da sieht sie eine kleine Nase und zwei schwarze Knopfaugen aus seinem Halsausschnitt schauen. Egon muss grinsen. „He Dustin, dir ist gerade noch ein Kopf gewachsen und ich muss sagen, dass der besser aussieht.“ Mit ihrer Tasche in der Hand geht sie an ihm vorbei, während er Jacky wieder zurück in sein Sweatshirt schiebt.

   Diesmal bewohnen sie eine geräumige Suite, die aus einem Wohnzimmer, zwei Bädern und vier Schlafzimmern besteht.

   Wie selbstverständlich verschwinden die Jungs sofort in die Zimmer. Pat und Ben in eins, Simon und Dustin in das nächste und Philipp allein in eins. Ein Zimmer ist noch frei und das nehmen sich Kylie und Egon.

Als die beiden Mädchen allein sind, sieht Kylie Egon eindringlich an. „War das vorhin im Bus nötig? Das ist unser erster Tag und du hast es dir schon mit Ben verscherzt. Sei doch ein bisschen netter zu ihnen.“ Grinsend schüttelt Egon den Kopf. „Kommt überhaupt nicht in Frage. Wir sind ihre Gäste, also müssen sie zu uns nett sein und nicht umgekehrt.“

   „Du bist mit Absicht so unausstehlich, gib zu, du machst das nur wegen dieser blöden Wette.“

   Egon zuckt grinsend mit den Schultern. „Und wenn’s so wäre?“

   Kylie kommt ganz dicht zu Egon ran und sieht sie bittend an. „Komm lass uns die Wette vergessen, die kannst du nur gewinnen. Ich geb mich geschlagen, du hast gewonnen und jetzt sei wieder du selbst.“ Ein misstrauisches Schmunzeln zieht über Egons Gesicht. „Nein, ich geh lieber auf Nummer sicher, schließlich hängt für mich 'ne Menge dran.“ Ohne Kylie weiter zu beachten, geht Egon zum Fenster und schaut hinaus. Sie sind mitten in der Stadt, ringsherum nur Häuser nicht eineinziger Baum ist zu sehen.

   Kylie schaut Egon hinterher. „Geh duschen, wir wollen gleich essen gehen. Versprich mir wenigstens, dass du dich im Restaurant zurückhältst.“ Egon dreht ihr das Gesicht zu. „Ich verspreche dir gar nichts. Wenn sie mich provozieren bekommen sie Feuerwerk.“

   Jetzt ist es Kylie die grinst. „Sie werden dich nicht provozieren, sie werden sehr freundlich zu dir sein. Bis jetzt haben sie gedacht, du bist ein Junge doch ich hab ihnen gesagt, dass du ein Mädchen bist. Glaub mir, sie werden überaus freundlich zu dir sein.“

   Nachdenklich sieht Egon sie an, dann zuckt sie mit den Schultern. „Ach das wird ihnen schon irgendwann vergehen, lass mich nur machen.“ Damit nimmt sie ihre Tasche und sucht sich frische Sachen aus.

   Eine Stunde später gehen sie alle gemeinsam ins Hotelrestaurant zum Essen.

   Pat und Kylie sind darauf bedacht, dass Egon nicht zu dicht bei Ben sitzt. Ben hat seit der Fahrt nichts mehr zu Egon gesagt, doch immer wieder wirft er ihr vernichtende Blicke zu.

   Zu Egons großem Erstaunen sehen die Jungs jetzt richtig annehmbar aus. Sie haben alle schwarze Hosen an und dazu ein Hemd und Jackett. Auch Kylie ist in ein elegantes Kleid geschlüpft. Egon hat zwar auch ein Kleid, ihr einziges, mitgenommen, aber sie denkt nicht im Traum daran es anzuziehen. Sie trägt wieder eine Jeans und ein T-Shirt.

   Während des Essens unterhalten sich Kylie und Pat über den Ablauf ihres Praktikums. Egon tut uninteressiert und isst genüsslich vor sich hin, doch sie achtet auf jedes Wort, nicht die kleinste Kleinigkeit entgeht ihr.

   Gerade hat Pat gesagt, dass sie morgen Vormittag proben und Nachmittag ist das Konzert. „Da gibt es für euch ’ne Menge Kleinigkeiten zu tun, ihr könnt aber trotzdem die Musik hören.“ Egon hebt den Kopf und sieht Pat an. „Das ist nicht dein Ernst? Ich soll mir euer Katzengejaule anhören? Kannste vergessen.“ Ohne weiter auf Pats geschocktes Gesicht zu achten, isst sie weiter.

   Noch immer starrt Pat Egon mit weit aufgerissenen Augen an. Er kann es nicht fassen, sie bezeichnet ihre Musik als Katzengejaule. Bevor er jedoch etwas erwidern kann, fährt Ben dazwischen. „Was fällt dir Grünschnabel eigentlich ein? Es gibt genug Menschen, die unsere Musik hören, sonst hätten wir schließlich nicht so viele Alben verkauft und unsere Konzerte sind auch immer ausverkauft. Aber was versteht schon so ein Hinterwäldler davon?!“

   Aus zusammengekniffenen Augen sieht Egon ihn an. „Lieber ein Hinterwäldler als ’ne Matschbirne, nicht wahr Benny Bärchen.“ Ben zieht scharf die Luft ein und will schon aufspringen doch Pat und Dustin halten ihn auf.

   Pat auf der einen und Dustin auf der anderen Seite drücken ihn wieder auf seinen Platz zurück. „Ben, beruhig dich.“ Pats Blick ist fest auf Ben gerichtet, bis dieser leicht nickt.

   Dustin sieht Egon an. „Kannst du noch was anderes außer Leute beleidigen?“ Grinsend schüttelt Egon den Kopf. „Nö, aber darin bin ich doch ganz gut. Oder?“ Unwillkürlich muss Dustin lachen, was ihm einen strafenden Blick von Ben einbringt.

   Pat sieht Kylie mit einem verführerischen Lächeln an. „Wir wollen nur noch schnell die Songs für das Konzert durchsprechen und dann wollen wir noch in einen Club gehen. Ihr könnt gern mitkommen.“ Bens Kopf schnellt hoch, er sieht Pat an, als ob dieser den Verstand verloren hat, dann wandert sein Blick zu Egon.

   Dustin hat schnell sein grinsendes Gesicht gesenkt.

   Egon hat alles beobachtet und meint jetzt mit einem breiten Grinsen im Gesicht. „Hört sich interessant an, vielleicht wird es sogar lustig. Ich bin dabei.“

   Wutschnaubend schlägt Ben die Hände auf den Tisch und steht auf. Er wirft einen kurzen drohenden Blick auf Egon, dann dreht er sich um und geht. Egon sieht ihm, immer noch grinsend, hinterher und meint so laut, damit er es auch noch hören kann. „Wir sollen unbedingt noch in eine Apotheke gehen und Baldriantropfen für Benny Bärchen holen.“ Aus dem Augenwinkel sieht Egon, wie Bens Schritt kurz stockt doch dann geht er zügig weiter.

Kylie funkelt Egon an. „Lass ihn endlich in Ruhe!“

       

       

   

   

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"Sommernachtstraum"

 

 

Endlich angekommen! Während der gesamten Fahrt hatte Ute immer etwas auszusetzen gehabt. Ob es nun die Fahrkünste von Kathrin waren oder das sie zu wenige Getränke eingepackt hatten und extra anhalten mussten. Und wenn sie einmal nichts fand, dann war ja da immer noch die Hitze und ihr Auto hat keine Klimaanlage. Die ganze Fahrt war die reinste Quälerei, über 35°C im Schatten, das Auto war der reinste Backofen. Aber schließlich war es ja vor 9 Monaten Utes Idee gewesen, einen gemeinsamen Urlaub in Italien zu verbringen und da wusste noch keiner, dass es ein besonders heißer Sommer wird. Wenn Ute geahnt hätte, dass die anderen geplant hatten die ganze Fahrt mit dem Auto zu machen, hätte sie nie mitgemacht. Allerdings hat sie sich ja auch absichtlich aus der gesamten Planung herausgehalten. Sie hatte einfach keine Zeit. Frank nahm sie von morgens bis abends in Anspruch. Er hatte Angst das Semester nicht zu schaffen. Also half ihm Ute, wo sie nur konnte und vernachlässigte ihre eigenen Arbeiten so, dass sie gerade noch ihre Semesterprüfungen geschafft hat. Und dann ging einfach alles schief. Erst macht Frank mit ihr Schluss und dann auch noch dieser Autounfall, der einen gewaltigen Teil ihrer Ersparnisse verschlang. Vor drei Wochen wollte Ute schon absagen, aber Kathrin hat so lange auf sie eingeredet, bis sie nachgab. Und das hat sie nun davon.
„Der Bungalow sieht eher wie eine Hütte aus.“ Missmutig schiebt Ute die Tür auf und schaut hinein. „Na wenigstens scheint es hier sauber zu sein.“ Langsam geht sie einen Schritt hinein.
„Platz da, ich komme!“
Ute kann gerade noch zur Seite springen. Wie immer, bestens gelaunt und mit vier großen vollgestopften Reisetaschen bewaffnet, stürmt Claudia den Raum. In der Mitte lässt sie alles fallen. „Wow, die haben nicht übertrieben. Hier gibt es wirklich keinen Luxus.“ Es war ein nicht allzu großer Raum mit einer riesigen Schlafcouch an der einen Seite und einem Tisch mit sechs Stühlen an der anderen. Man konnte gerade noch so durch gehen um an die Tür, die sich an der hinteren Wand befindet, zu gelangen. Diese führte in so etwas wie eine Küche. Direkt in der Mitte des Raums führte eine Stiege nach oben. Ein Küchenschrank, Herd und Spülbecken waren ringsherum verteilt, so dass man immer um die Stiege herumlaufen muss. Claudia betrachtet die Stiege von allen Seiten und meint dann. „Da kriegen mich keine zehn Pferde hoch. Die bricht doch unter meinem Gewicht zusammen. Also, ich schlafe dann unten.“ Und schon ist sie zurück in den Wohnraum und sucht nach einem Platz für ihre Sachen. „Wenn du nichts dagegen hast bleibe ich auch hier unten“, sagt Simone nach dem sie die erste Sprosse ausprobiert hat.
„Na dann, die Leichtgewichte nach oben.“ Wieder einmal hat Kathrin das Kommando übernommen, aber das stört eigentlich keine.
Langsam schleicht Ilona die Sprossen nach oben. „Was ihr nur habt, die hält sogar mich aus.“ Die letzte Sprosse war überwunden und sie steigt durch die Luke in den Raum. „Na du bist ja auch nur halb soviel wie Simone“ meint Kathrin. „Und nur ein Viertel von mir“ ruft Claudia, die inzwischen den Wandschrank gefunden hat, dazwischen.
Ilona steht vor einem riesigen Bett, das fast den ganzen Raum ausfüllt. Neugierig sieht sie sich um. Der Raum hat zwei schrägen, so dass nur noch eine kleine Kommode neben dem Bett Platz fand. Aber dann fällt ihr Blick auf die Fensterwand. „Kommt rauf, das müsst ihr einfach sehen.“ Vorsichtig steigen sie alle, außer Claudia, die Stiege hoch. Der Raum ist viel zu klein für vier Personen und so müssen sie sich eng zusammendrängen, um alle Platz zu finden. Aber das, was sie jetzt sehen, nimmt ihnen fast den Atem.
Die Hütte liegt auf halber Höhe an einem Berghang und sie schauen genau hinunter in die Bucht. Es war ein gigantischer Anblick. Sie können genau sehen, wie die Wellen an den hervor stehenden Klippen schlagen. Auch den kleinen Strand können sie deutlich sehen. Aber das Schönste ist der Sonnenuntergang. Die Sonne versinkt langsam im Meer und taucht alles in ein warmes Licht. Die Bäume sind nur noch schwarze Schatten vor dem strahlenden roten Licht. Wie verzaubert stehen die Mädchen da und schauen sich dieses Naturschauspiel an, bis sie durch Claudias lautes Rufen aufgeschreckt werden. „Hey! Ihr da oben. Ich habe langsam hunger. Los kommt wieder runter und lasst uns endlich was essen und dann können wir gleich noch Pläne schmieden, schließlich wollen wir uns doch einen süßen Kerl angeln.“ Irgendein Geräusch hat Ute geweckt. Im ersten Moment weiß sie gar nicht wo sie ist, als sie jedoch das Geräusch als Meeresbrandung erkennt, ist ihre Erinnerung sofort wieder da. Es ist noch mitten in der Nacht, trotzdem kann sie nicht mehr schlafen. Um die anderen nicht zu stören, entschließt sie sich eine Weile nach draußen zu gehen.
Vor der Hütte ist eine große Rasenfläche auf der man mehrere Tische und Stühle stellen kann. Das Auto haben sie gestern gleich noch hinter das Haus gefahren, wie es ihnen vom Vermieter gesagt wurde. Dort ist so eine Art Parkplatz. Ute will schnell noch ihre Sonnenbrille aus dem Handschuhfach holen, denn die braucht sie heute ganz bestimmt.
Am Auto stehend schaut sie sich noch einmal um. Der Mond wirft sein helles Licht auf die Lichtung und so entdeckt Ute den schmalen Pfad zwischen den Bäumen und Sträuchern. Neugierig geht sie ihn entlang.
Er führt bergab und das Rauschen der Meeresbrandung wird immer lauter. Plötzlich öffnet sich das Dickicht, erstaunt bleibt Ute stehen, denn was sie jetzt sieht, raubt ihr fast die Sinne. Sie steht am Rand der Bucht und sieht fasziniert auf das Meer und den vollen runden Mond, dessen silbernes Licht sich im Meer widerspiegelt und dabei entgeht ihr nicht der junge Mann, der in den Wellen schwimmt. Langsam bewegt er sich auf das Ufer zu und Utes Blick ist unentwegt auf ihn gerichtet. Durch das helle Mondlicht kann sie seine kraftvollen Bewegungen deutlich erkennen. Wie durch eine magische Kraft angezogen bewegt sie sich Schritt für Schritt auf ihn zu und erst als ihre Zehe schon das Wasser berühren, bleibt sie stehen. Vor ihr schlagen die Wellen auseinander und es erhebt sich ein Adonis, der jede Frau schwach werden lässt, aus den Fluten. Sein dunkles gelocktes Haar fällt ihm bis auf die Schultern und in seinem männlich markantem Gesicht erscheint ein sinnliches Lächeln, als er, nackt wie Gott ihn schuf, langsam auf Ute zukommt. Seinen ganzen muskulösen Körper, die breiten Schultern, die ausgeprägte Brustmuskulatur, sein flacher Waschbrettbauch und seine imposante Männlichkeit, erfasst sie mit einem Blick. Ute kann ihren Blick nicht mehr abwenden und starrt ihn verzaubert an.
„Du blinzelst ja gar nicht.“ Seine Stimme klingt rau und sanft zugleich. Als Ute registriert hat, was er gesagt hat, bleibt ihr vor Schreck die Luft weg. Immer noch unfähig ihren Blick abzuwenden läuft sie rot an. Wie durch einen Nebel hört sie sein kehliges Lachen und dann spürt sie seinen Hand an ihrer Wange. „Du darfst das Luftholen nicht vergessen.“
Nervös beginnen Utes Augen zu zucken und keuchend schnappt sie nach Luft. Hektisch gleitet ihr Blick noch einmal über seinen eindrucksvollen Körper und dann will sie schnell verschwinden. Doch dazu kommt sie nicht, denn er greift schnell nach ihrer Hand und hält sie fest. „Nicht weglaufen. Bist du schon einmal im Mondlicht geschwommen? Es ist herrlich und es ist auch genug Platz für uns beide da.“ Er hat eine sehr angenehme warme Stimme und so hebt Ute vorsichtig den Blick und sieht in sein Gesicht. Sein Blick sucht ihren und in seinen dunkeln Augen kann sie etwas Geheimnisvolles sehen.
Während seine Hand zärtlich über ihren Arm streicht, klingt seine Stimme rau an ihrem Ohr. „Komm mit ins Meer, es wird dir gefallen.“ Noch bevor Ute etwas erwidern kann, schiebt er die Träger ihres Tops von ihren Schultern. Sein Blick ist fest auf ihr Gesicht gerichtet, während er mit einem Finger sanft über ihre Brust streicht. Sofort richtet sich ihre Brustwarze auf und ist mehr als deutlich unter dem Top zuerkennen, nur kurz fällt sein Blick darauf, dann hebt er ihn wieder, um weiter ihr hübsches Gesicht, mit der kleinen Stubsnase und den blauen Augen, zubetrachten. Langsam lässt er seinen Hände über ihre Seiten gleiten, greift das Top und zieht es ihr vorsichtig aus. Sobald ihre Brüste von dem störenden Stoff befreit sind, legt er seine Hände über sie und beginnt sie zärtlich zu streicheln. Ein genießerischer Seufzer entrinnt seiner Kehle und seinen Hand schließt sich fest um ihre Brust. Mit seinem Daumen massiert er ihre gierig aufgerichtete Brustwarze, während seine andere Hand langsam nach unten gleitet und den Knopf ihre Hose öffnet. Durch seine zärtliche Berührung ganz benommen steht Ute da und geniest es von ihm entkleidet zu werden. Ganz verzückt folgt ihr Blick seinen Händen, die immer wieder zärtlich über ihren Körper streichen und ihn von der beengenden Kleidung befreien. Endlich hat er es geschafft und sie steht nackt vor ihm.
Anerkennend lässt er seinen Blick über sie schweifen. Erst über ihre kleine fest Brust, dann weiter über ihren flachen Bauch. Als sein Blick auf das mit krausem Haar bedeckte kleine Dreieck fällt, verweilt sein Blick für einen Moment und ein verführerisches Lächeln zieht über sein Gesicht. Dann gleitet sein Blick weiter, hinunter bis zu ihren Füßen und ganz langsam wieder hinauf. Als sich ihre Blicke treffen, sieht Ute das Feuer in seinen Augen lodern. Schnell will sie ihren Blick wieder abwenden, aber sie ist dazu nicht in der Lage. Wie hypnotisiert starrt sie ihm in die Augen, während er langsam seinen Kopf senkt, um ihr einen sanften Kuss auf die Lippen zu hauchen. Behutsam nimmt er ihre Hand und führt sie zum Wasser. Völlig willenlos lässt Ute es geschehen, erst als ihr das Wasser um die Füße spült, kommt sie wieder zu sich. Überrascht schaut sie sich um. „Was machen ich denn hier? Das kann doch wohl nicht wahr sein? Ich kann doch nicht nackt mit einem völlig fremden Mann im Meer baden gehen.“ Vollkommen überstürzt sind ihr die Gedanken herausgesprudelt. Lächelnd sieht der junge Mann sie an. „Man soll das Leben genießen, wann immer sich die Gelegenheit dazu bietet. Du bist einsam, das sehe ich dir an. Lass mich dich ein wenig ablenken.“ Bevor Ute etwas erwidern kann, hat er ihren Mund schon mit seinem verschlossen. Sanft streicht seinen Zunge über ihre Lippen, mit einem leichten Drängen bittet er um Einlass. Als sich ihre Lippen ein kleines bisschen öffnen, drängt er aufstöhnend seinen Zungen in ihren Mund. Hingebungsvoll beginnt er ihren Mund zu erforschen und fordert ihre Zunge zu einem wilden Tanz auf. Sein Kuss beginnt sanft und zärtlich wird aber schon nach wenigen Augenblicken drängend und herausfordernd, bis die Luft um sie herum von einer explosiven Leidenschaft erfüllt ist. Als er sich nach unendlich langer Zeit wieder von ihr löst, muss sie sich an seinen breiten Schultern festklammern, denn ihre Beine wollen sie nicht mehr tragen. Nicht einen Moment hat er den Blick von ihr abgewandt, tief sieht er ihr in die Augen und erkennt ihr Verlangen. Entschlossen hebt er sie auf die Arme und trägt sie ins Meer, wobei er sie immer wieder küsst.
Als er bis zu den Hüften im Meer steht, lässt er sie sanft aus seinen Armen gleiten. Berauscht von ihren Gefühlen spürt Ute die Kälte des Wassers gar nicht, sie will nur ihn spüren und so streckt sie ihre Hände nach ihm aus. Sanft und noch etwas zurückhaltend streicht sie ihm über die breite Brust, wobei ihre Augen ihren Händen folgen. Langsam lässt sie ihre Hände nach oben gleiten, bis Ute sie ihm um den Hals legen kann. Zärtlich beginnt sie in seinem Haar zu wühlen und als sie sein Stöhnen vernimmt, richtet sie ihren Blick auf sein Gesicht. Deutlich sieht er ihren verschleierten Blick und beugt sich zu ihr runter, um ihr einen Kuss auf die Lippen zu hauchen. Sobald er sich wieder von ihr lösen will, hält sie ihn fest und streckt ihm ihren Mund entgegen. Nur zu gern nimmt er die Herausforderung an und küsst sie ausgiebig. Heißblütig und ausgehungert erwidert sie seine Küsse und ihre Hände erkunden seinen athletischen Körper.
„Schling deine Beine um mich.“ Sind seine letzten Worte, die Ute bewusst wahrnimmt und dann hat ihr Körper das Kommando übernommen.
Im Meer, von sanften Wellen umspült und am Strand, von einem lauen Wind gestreichelt, liebt er sie wild und hemmungslos. Jedes Mal berührt sie den Himmel und wenn sie droht abzustürzen, fängt er sie wieder auf, um ihr noch einmal den Himmel zu zeigen.
Fest in seine Arme geschmiegt liegt sie ermattet und doch überaus befriedigt am Strand und beobachtet den majestätischen Sonnenaufgang. Während seine Hände immer wieder zärtlich über ihren Körper streichen, raunt er ihr betörende Worte ins Ohr. Mit einem sinnlichen Lächeln dreht sie ihm ihr Gesicht zu. Noch einmal küsst sie ihn und dann schiebt sie sich aus seinen Armen und geht den schmalen Pfad wieder hinauf.
Im Haus ist noch alles still und so schleicht Ute leise in die Küche. Schnell hat sie den kleinen Gaskocher angezündet und Wasser, für den Kaffee, angesetzt. Während sie die Tassen aus dem Schrank holt, ist immer noch ein kleines verträumtes Lächeln auf ihrem Gesicht. Sie fühlt sich erschöpft und doch überaus zufrieden. Das Knarren der Stiege verkündet ihr, dass die anderen aufgestanden sind. Es dauert nicht lange und alle finden sich in der Küche zum Frühstück ein. „Man hab ich gut geschlafen, und mein Traum erst. Ihr glaubt es nicht?!“ Kathrin nippt kurz an ihrem Kaffee und erzählt dann weiter. „Wir haben doch gestern, unten in dem kleinen Dorf, diesen sagenhaften Hünen gesehen. In meinem Traum sind wir im Meer geschwommen und was dann noch passiert ist, erzähle ich euch lieber nicht.“ Ein vielsagendes Lächeln zieht über ihr Gesicht.
„Mit meinem Traum kannst du garantiert nicht mithalten“, wirft Claudia grinsend ein.
„Hey, im Traum hat der Typ mir gehört“, ist auch Ilona zu hören.
„Ruhe Mädels!“ verschafft sich Simone Gehör. „Ich hab auch eine wilde Nacht mit ihm verbracht, aber was ist mit Ute?! Sie hat jetzt schon seit 7 Monaten keinen Freund mehr, wir sollten ihr den Vortritt lassen.“ Auffordernd sehen alle Ute an. Ute hat den besagten Adonis gar nicht beachtet, sie war viel zu sehr mit Rumnörgeln beschäftigt gewesen, doch jetzt fällt er ihr wieder ein und sie erkennt in ihm, ihren Liebhaber aus dem Meer. „Na komm, du hast doch bestimmt auch von ihm geträumt. Erzähl schon!“ Kathrin stößt sie leicht mit dem Ellenbogen an, doch Ute meint kopfschüttelnd: „Ich hab schlecht geschlafen und überhaupt nicht geträumt.“ Schnell nimmt sie ihre Tasse und trinkt einen Schluck. Während die anderen es nicht fassen können, wie sie nicht von so einem Prachtkerl träumen kann, zieht ein amüsiertes Lächeln über Utes Gesicht. „Mädels, wenn ihr wüsstet?“ geht es ihr dabei durch den Kopf.

 

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